N E W S L E T T E R

Vivian Rutsch
STILL HERE

Es gibt zwei Dinge, die sie der Tod gelehrt habe: Jemanden, den man liebt, kann man nicht verlieren, und jede nur erdenkliche Grausamkeit existiert, sagt die Fotografin Vivian Rutsch. Ihre Schwester verstarb am 2. März 2018 im Alter von 17 Jahren. Als sie vermisst und einen Tag später tot aufgefunden wird, gehen alle Beteiligten von einem Suizid aus. Zunehmende Ungereimtheiten lassen jedoch an der offiziellen Version zweifeln. Aus den Tagebüchern geht nach ihrem Tod hervor, dass sie sexuell missbraucht wurde. Auch die kleine Halbschwester der Fotografin hat sechs Monate zuvor von sexuellen Handlungen berichtet, die ihr Vater an ihr vorgenommen hatte. Die Staatsanwaltschaft veranlasste keine Überprüfungen. Der Fall wurde zweimal zur Wiederaufnahme eingereicht und abgelehnt. Einer von vielen Fällen in Deutschland, die vielleicht für immer ungeklärt bleiben. Ein fotografisches Essay, das Fragen stellt, die unbeantwortet bleiben.

  • Familie
  • Gewalt
  • Missbrauch
  • Personal Story
  • Spuren
3 Fragen
1. Der Türöffner: Kannst du einen prägenden Moment in deiner Karriere als Bildjournalistin beschreiben?

Einer der prägendsten Momente für mich als Fotografin war der Moment, als ich den Sarg meiner verstorbenen Schwester fotografierte. Als ich mit meiner Kamera vor dem Sarg stand, wusste ich, dass mich dieses Bild mein Leben lang begleiten wird. Ich musste das Geschehen für mich dokumentieren, um mich am nächsten Tag daran zu erinnern, dass das gerade wirklich passiert war.

2. Der entscheidende Moment: Wann ist dir dein Thema das erste Mal begegnet und wieso hast du dich dazu entschieden, es fotografisch zu bearbeiten?

Ich habe, seit ich 14 war, meine Familie fotografiert. Damals wusste ich nicht, wo mich das hinführen wird. Es ist ein Geschenk, dass ich durch die Fotografie meine Sprache wiedergefunden habe. Unsere Geschichte zu erzählen ist mein Weg, die Ohnmacht zu verlassen.

3. Die Zukunft: Wie kann der visuelle Journalismus der Zukunft aussehen?

Für mich ist die Zukunft des visuellen Journalismus transparent, mutig, vielschichtig und ehrlich. Die Zeit der globalen Pandemie kann uns lehren, neue Wege zu gehen und herauszufinden, wie wir am besten mit unserer Zielgruppe kommunizieren können. Ich sehe das als große Chance.

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Still Here – Fotobuch © Vivian Rutsch

Beitrag zusammengestellt von Jasmina Hanf

© für alle Fotos die Fotografinnen und Fotografen
© für alle Videos Lumix Festival Hannover, wenn nicht anders angegeben.

*1994 in Öhringen, Deutschland
Vivian Rutsch studierte Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover und der Belfast School of Art. Zurzeit lebt sie in Dortmund und absolviert ein Fotografie-Masterstudium. Sie konzentriert sich vor allem auf soziale und humanitäre Themen und erhielt zwei Jahre in Folge das BFF-Förderstipendium. Ihre Arbeit über deutschen Tourismus auf Mallorca wurde auf SPIEGEL Online mehr als fünf Millionen Mal angeklickt.

www.vivianrutsch.de
@vivian_rutsch

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