N E W S L E T T E R

Ana María Arévalo Gosen
Dias Eternos

Das wirtschaftliche Elend in Venezuela, die Gewalt und die Kriminalität, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind, kulminieren in sogenannten Präventivhaftanstalten. Tausende Frauen, die auf einen Prozess warten, sind mitunter viele Jahre lang von ihren Familien und Kindern getrennt. „Wenn wir hier rauskommen, werden wir schlechtere Menschen sein als vorher“, sagt die 21-jährige Yorkelis. Ihr Zuhause: „Chinatown“, ein Gefängnis mit einer Zelle, die mit 60 Frauen überfüllt ist. Die Untersuchungshaft ist besonders brutal. Gefangene haben nicht genug zu essen, kein Wasser und keine medizinische Versorgung. Klein- und Schwerkriminelle sind nicht voneinander getrennt. Viele sind psychisch krank und drogenabhängig. Das 2018 verabschiedete „Gesetz gegen Hass“ verbietet Proteste gegen die Regierung und hat zahlreiche Frauen hinter Gitter gebracht. Ana María Arévalo Gosen hat Häftlinge und Entlassene besucht und ist der Frage nachgegangen, was diese Form der Präventivhaft über den Zustand der venezolanischen Gesellschaft sagt.

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Die Fotografin Ana María Arévalo Gosen spricht über ihr Projekt Dias Eternos.

3 Fragen
1. Der Türöffner: Kannst du einen entscheidenden Moment in deiner Karriere als Bildjournalistin beschreiben?

Glaub an die Kraft der Geschichte. Als ich mit „Dias Eternos“ begann, habe ich die Geschichte verschiedenen Abnehmern präsentiert. Ihre Antwort lautete: „Wir haben genug Gefängnisgeschichten gesehen.“ Trotz zahlreicher Rückschläge glaubte ich an diese Geschichte und unternahm ein „Print-Sale“-Crowdfunding, um mit der Arbeit fortfahren zu können. So gewann ich zwei Stipendien, die mir ermöglichten, meine Idee der Geschichte umzusetzen.

2. Der entscheidende Moment: Wann ist dir dein Thema das erste Mal begegnet und wieso hast du dich dazu entschieden, es fotografisch zu bearbeiten?

Die erste Inhaftierte, die ich traf, war 27 Jahre alt, schwanger und befand sich mit Infektionen und einer Plazentaablösung im Krankenhaus. Weibliche und männliche Gefangene waren gemeinsam untergebracht. So war sie schwanger geworden. Nach diesem Tag schämte ich mich, dass so wenige Venezolaner*innen Zugang zu diesem Thema haben. Viele ihrer Menschenrechte werden verletzt. Sie sitzen in Untersuchungshaft, warten auf eine Verurteilung, unabhängig von dem begangenen Verbrechen oder ihrer Schuldfähigkeit. Sie sind gezwungen, jahrelang auf einen Prozess zu warten. Daher entschied ich mich, über die Bedingungen der Frauen in Untersuchungshaft zu arbeiten. Diese Arbeit zeigt eine der Grundursachen für die Krise in Venezuela.

3. Die Zukunft: Wie kann der visuelle Journalismus der Zukunft aussehen?

Diese Pandemie erteilt uns Lektionen. Aufgrund von Reisebeschränkungen gewinnt der Wert lokaler Fotograf*innen und ihrer qualitativ hochwertigen Arbeit an Bedeutung. In der Zwischenzeit haben soziale Medien es unserer Gemeinschaft ermöglicht, positive Wirkungen über unsere Arbeit hinaus zu erzeugen. Wir sammeln Gelder, lehren online, schaffen Plattformen und Kollektive von zu Hause aus. Die Zukunft des Bildjournalismus wird ein Mix aus beiden Praktiken sein. Lokale Visual Storyteller arbeiten, um wirkungsvolle transmediale Geschichten zu produzieren. Das Ziel wird sein, etwas zu bewirken. Wir werden nicht nur für ein globales Publikum arbeiten, sondern auch für unsere eigenen Communitys.

Beitrag zusammengestellt von Lucas Bäuml

© für alle Fotos die Fotografinnen und Fotografen
© für alle Videos Lumix Festival Hannover, wenn nicht anders angegeben.

*1. November 1988 in Caracas, Venezuela
2009 zog Ana María Arévalo Gosen nach Frankreich, studierte Fotografie an der ETPA Toulouse und arbeitete danach als freie Fotografin in Hamburg. Seit ihrer Rückkehr nach Venezuela 2017 dokumentiert sie, insbesondere aus der Perspektive von Frauen, die Krise im Land. 2018 erhielt sie den Women Photograph Grant, wurde 2019 für die Joop Swart Masterclass nominiert und gewann mit ihrer Arbeit über ein venezolanisches Frauengefängnis den POY Latam Preis für südamerikanische Dokumentarfotografie.

www.amagosphoto.com 
@martinacirese

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