N E W S L E T T E R

Di, 23.06.
Im Krisenmodus

Seit jeher ist es eine zentrale Aufgabe des Bildjournalismus, den Rezipierenden visuelle Zugänge zur Welt zu ermöglichen, die ihnen ansonsten verwehrt bleiben. Insbesondere wenn die Betrachter*innen selbst nicht Zeug*innen des Geschehens sein können, vermitteln Fotograf*innen Eindrücke und Einblicke von dem, wie sie die Welt erfahren. Sie prägen so unser kollektives Bewusstsein für das Weltgeschehen außerhalb unseres eigenen Sichtfeldes. Trotz der weitgehend vollzogenen Demokratisierung des Mediums gilt dies nach wie vor in besonderem Maße für die Berichterstattung aus Krisen-, Konflikt- und Katastrophenregionen.

Infolge der Corona-Krise waren zwischenzeitlich etwa 2,7 Milliarden Menschen rund um den Erdball von Beschränkungen ihres täglichen Lebens betroffen. Vielen Menschen verlangen gerade in dieser Zeit der globalen Verunsicherung nach Informationen, denn der unzugängliche Teil der Welt beginnt vielerorts oft unmittelbar vor der eigenen Türschwelle. Insbesondere in den ersten Wochen nach Ausruf der SARS-CoV-2-Pandemie durch die WHO und die darauf folgenden Reaktionen der Staatengemeinschaft schien es nicht zuletzt deshalb so schwer wie selten zuvor, sich ein Bild vom Zustand der Welt zu machen, weil das Arbeiten professioneller Bildjournalist*innen zum Teil massiv eingeschränkt war.

In einer Zeit, in der der gesamte Planet zur Krisenregion wird und es nur ein einziges, alles dominierendes Thema zu geben scheint, richtet das LUMIX Festival seinen Blick am heutigen Thementag auf all jene Fotograf*innen, die im Krisenmodus agieren. Fotograf*innen, die uns in ihren Bildern Geschichten vom Alltäglichen erzählen, das auf einmal nicht mehr bloß banal ist (und visuell weitaus mehr bietet als abgesperrte Klettergerüste und leere Klopapier-Regale). Und Fotograf*innen, die Wege finden, um fotografische Nähe zu schaffen, während für viele selbst die eigene Familie durch Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen in weite Ferne gerückt ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Live Talk moderiert von Stephanie Bunk Espen Rasmussen

In seiner Arbeit konzentriert sich Espen Rasmussen in der Regel auf humanitäre Fragen und die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. An seinem jüngsten Projekt “The Longest Day” arbeitet er, seit er am 13. März mit seiner schwangeren Partnerin Julia und seinen Kindern in die Isolation gegangen ist. Zwei Monate lang begleitete er seine drei Kinder und Julia auf dem Weg zu der Geburt während des Lockdowns in Norwegen. In seinem „ersten persönlichen Projekt” produzierte Espen Rasmussen intime, atmosphärische Bilder seines Lebens zu Hause, die die alltäglichen Routinen, die heimtückische Angst und die bewegende Menschlichkeit in der Corona-Krise zeigen. Für unser Thema des Tages „Im Krisenmodus” sprach Espen Rasmussen über „Die Krisen vor der Haustür – Fotografieren während Covid-19″.

Der Live Talk wurde gehostet von VII Photo.

Alle Live Talks sind kostenlos. Du darfst aber gerne für das Festival spenden. Jeder Betrag ist willkommen. Spenden.

Podcast Arbeit zur Corona-Krise. Im Gespräch mit Ingmar Björn Nolting

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen ist der Leipziger Fotograf Ingmar Björn Nolting während der letzten Wochen für seinen Bildessay zur Corona-Krise durch Deutschland gereist. germany-coronavirus-crisis-photos Von der Pflegekraft bis zu Asylsuchenden, vom Ostergottesdienst im Autokino bis zur Situation an der kürzlich geschlossenen deutsch-schweizerischen Grenze findet er die kleinen Geschichten, die zeigen, wie sich der Alltag durch die Pandemie verändert hat.

Björn Nolting
Junge Paare treffen sich an der geschlossenen Grenze zwischen Konstanz (Deutschland) und Kreuzlingen (Schweiz) am 18.April 2020. In der Hoffnung, die COVID-19-Infektionen einzudämmen wurden Zäune an der sonst offenen Grenze errichtet. Zuerst ein einzelner, zwei Wochen später ein zweiter mit einem Abstand von mehreren Metern. An dieser Stelle war der körperliche Kontakt doch möglich. Hier stand nur ein einzelner Zaun, der auch schon vor der Grenzschließung entlang der Grenze verlief. Foto: Ingmar Björn Nolting

Wettbewerbsarbeit von Ingmar Björn Nölting

Videointerview mit Stephanie Bunk Mary Gelman
Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

Der viel zitierte und mittlerweile vielfach kritisierte Ausspruch Robert Capas „If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough“ galt lange Zeit als Credo bildjournalistischer Auseinandersetzungen mit der Welt. Nähe, also die physische Präsenz am Ort des Geschehens, kann nach wie vor als unabdingbar für das Erzählen fotografischer Geschichten gelten. Die Fähigkeit des Fotografierenden, eine menschliche Nähe zu den handelnden Personen aufzubauen und in Bildern zu vermitteln, involviert den Betrachter emotional, lässt ihn mitfühlen und mitleiden. Oft ist es gerade diese Nähe, die Fotografie ihre intensivste Wirkung verleiht. In Zeiten, in denen das Alltagsleben durch Kontaktverbote und Ausgangssperren auch für Bildjournalist*innen weltweit stark eingeschränkt ist, lässt sich sowohl die eine, als auch die andere Nähe oft nur schwer herstellen.

Während der andauernden Corona-Pandemie haben viele Fotograf*innen zwangsweise neue Wege gesucht, dennoch ihre Sicht auf die Welt zu visualisieren. Nur wenige haben es allen Hürden zum Trotz geschafft auch eine Nähe zu Menschen aufzubauen, die ihre Geschichten einzigartig und eingängig macht. Eine von ihnen ist die 1994 geborene Soziologin und Dokumentarfotografin Mary Gelman.

Mary Gelman

Als Mitglied der renommierten Fotoagentur VII konzentriert sich Mary Gelman auf freie fotografische Projekte, die unter anderem mit dem Leica-Oskar-Barnack-Preis ausgezeichnet wurden. In ihren Arbeiten erforscht sie größere gesellschaftliche Zusammenhänge durch die Darstellung enger persönlicher Erzählungen. Dabei geht sie immer wieder den relevanten Fragen zu Geschlecht und Körper, Grenze und Identität, Diskriminierung und der menschlichen Beziehung zur Umwelt nach. Mary Gelman lebt und arbeitet in St. Petersburg.

Videointerview mit Karen Fromm Rafael Heygster und Helena Lea Manhartsberger

Rafael Heygster und Helena Lea Manhartsberger, beide Teil des LUMIX-Wettbewerbs, haben ein gemeinsames Projekt gestartet, das sich mit der Surrealität des Alltagslebens während der Corona-Krise beschäftigt. In diesem Instagram Live Talk sprechen sie mit Karen Fromm über ihre Motivation, die Entstehungsgeschichte und wie man das Verwischen der Grenze zwischen Realität und Fiktion ins Bild setzen kann. Mehr

Lumix Festival IGTV-Channel

Alle Live Talks sind kostenlos. Du darfst aber gerne für das Festival spenden. Jeder Betrag ist willkommen. Spenden.

Parlament Bremen
Mit 1,5 Metern Sicherheitsabstand zwischen den Tischen der Abgeordneten tagt die Bremer Bürgerschaft in einer Messehalle.

Weserstadion
Die Kampagne “seidabei-trotzdem.de” wurde initiiert, um gegen Geisterspiele zu protestieren. Fans kritisieren, dass ökonomische Interessen über die Gesundheit gestellt würden und fordern, dass die Saison erst fortgesetzt werden dürfe, wenn wieder ein sicherer Besuch der Stadien gewährleistet werden könne. Fans können ihr Foto auf der Seite der Kampagne hochladen, von wo es dann ausgedruckt und im Stadion platziert wird. Bisher beteiligen sich 21.000 Menschen an der Aktion.
Fotos: Rafael Heygster & Helena Lea Manhartsberger

mehr

Wettbewerbsarbeit Rafael Heygster

Wettbewerbsarbeit Helena Lea Manhartsberger (Fotoserien)

Wettbewerbsarbeit Helena Lea Manhartsberger (Digital Storytelling)

»Ich bin ein Griechischer Fotograf und habe am eigenen Leib die beispiellosen und schmerzhaften Veränderungen in meinem Land miterlebt. Ich war kein unbeteiligter Zuschauer, sondern habe die Mühen meines eigenen Alltags und die Probleme meiner Mitmenschen dokumentiert.«

Angelos Tzortzinis
Angelos Tzortzinis - Contemporary Prisons
zur Fotoserie